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Was versprechen sich junge Menschen in der Türkei von ihrer Zukunft im besonderen Hinblick auf die EU?

Dörte Döring - Türkei2005


Dörte Döring gelang es auf ihrer Reise in die Türkei mit zahlreichen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, um deren Bild über einen möglichen EU-Beitritt zu erfassen. Nicht nur in Schulen, Goethe-Instituten und Cafés gelang es ihr, Kontakte zu knüpfen, sondern auch direkt auf der Straße und in Clubs. Viele Ergebnisse hatte sie 2005 so nicht erwartet.

Meine Reise sollte in die Türkei gehen und die Meinungen zum EU-Beitritt türkischer Jugendlicher ergründen. Das Thema EU-Beitritt war damals sehr präsent in den Medien, wobei oft transportiert wurde, dass die Türkinnen und Türken unbedingt in die EU wollten. Dies wollte ich prüfen.

Januar 2004. Das ist schon bald vier Jahre her. Im Januar 2004 fasste ich den Entschluss, mich bei zis zu bewerben. Mit dieser Bewerbung stand meine am längsten und am besten geplante Reise an, denn gerade die Vor- und Nachbereitung waren sehr wichtig und einprägsam. Meine Reise sollte in die Türkei gehen und die Meinungen zum EU-Beitritt türkischer Jugendlicher ergründen. Das Thema EU-Beitritt war damals sehr präsent in den Medien, wobei oft transportiert wurde, dass die Türkinnen und Türken unbedingt in die EU wollten. Dies wollte ich prüfen, oder besser: die Haltung junger TürkInnen herausfinden, die in meinem Alter waren und mit den Vor- und Nachteilen der EU würden leben können und müssen, falls es zum Beitritt käme.

Das Ziel, die Meinungen der türkischen Jugendlichen herauszufinden, war, wie ich bald merkte, sehr lohnenswert, denn die Aussagen, die ich hörte, widersprachen meinen Annahmen oft grundlegend. Fast allen war das Anliegen gemein, klarzumachen, dass die Türkei eben nicht ein kleiner, dummer Bittsteller ist, sondern ein großes Land, welches zwar gern an der EU teilhaben und sie mitgestalten würde, aber eben ganz bestimmt nicht unter der Bedingung, sich selbst zu verbiegen. Dieses Element staatlicher und auch kultureller Souveränität wurde in der deutschen Debatte um die Türkei meiner Meinung nach jedoch wenig berücksichtigt. Genauso aber auch die uns einenden Elemente, denn beim Reden von „anderen“, „fremden“ Kulturen werden ja meist die zahlreichen Ähnlichkeiten ausgeklammert, die ich vielfach erfahren konnte.

Diese zeigten sich besonders in den positiven und warmen Reaktionen der Menschen und sind mir fest in Erinnerung geblieben. Seien es die befragten Personen gewesen oder diejenigen, bei denen ich übernachtet habe und mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Mit meinen GastgeberInnen konnte ich lange reden, blöde Fragen stellen, mal feiern gehen und natürlich dort für eine kurze Zeit „zu Hause“ sein. Ohne diese Kontakte wäre ich verloren gewesen, nicht nur aus finanzieller Hinsicht.

Eine andere wichtige Erfahrung, die heute ganz zentral für mich ist, liegt vor allem darin, die Perspektive verschoben zu bekommen. Angefangen bei der geografischen Frage, die ich in meinem Reisetagebuch erörterte, warum es eigentlich „Osten“ hieße, wenn der „Osten“ von vielen doch gar nicht östlich läge und ob nicht der „Westen“ automatisch immer als Maßstab gesetzt werde. Das Thema beschäftigte und beschäftigt mich noch immer geografische Perspektiven hinaus. Die Dominanz von Pauschalisierungen in der öffentlichen Debatte ist mir damals aufgefallen, und heute kann ich wissenschaftlich dazu arbeiten. Mit dem ein „Anderes“, „Fremdes“ vorraussetzende Sprechen vom „Orient“, auf das ich damals gestoßen war, kann ich mich jetzt in Zusammenhang von Postkolonialer Theorie und anti-rassistischer Bildungsarbeit auseinandersetzen.

Neben dieser Sensibilisierung für reflektierteres und differenzierteres Verhalten habe ich allerdings auch noch den Umgang mit Herausforderungen und das Lernen aus ihnen mitgenommen. Dabei war interessant, dass ich manche gar nicht richtig als solche wahrgenommen habe, etwa die „Schwierigkeit“, alleine loszuziehen, wurde eher von Neugier und Fernweh überlagert. Aber vieles war natürlich schwierig, zum Beispiel das (relativ) strukturierte Planen eines Projektes, alle Entscheidungen eigenständig zu fällen und der Umgang mit Problemen, mit denen ich nicht gerechnet hatte.

So waren meine Versuche, per E-Mail Kontakte zu knüpfen, sowie die Suche nach einem günstigen Verkehrmittel in die Türkei anfangs alles andere als von Erfolg gekrönt, so dass ich zwischenzeitig so gut wie aufgegeben hatte. Dann kam mit einem Beinbruch ein erneuter Rückschlag, weswegen ich erst Ende November fahren konnte, also im richtigen Winter und mir nur wenig Zeit zur Nachbereitung blieb. Dass ich es dann trotz allem doch geschafft habe, war einer dieser vielen Bausteine für das Selbstbewusstsein, die in dieser Zeit ziemlich wichtig sind. Auch das Anfertigen meines Studienberichtes mit Diagrammen und deren Interpretation war nicht einfach, aber es hat großen Spaß gemacht und ein tiefes Interesse an solcher Arbeit geweckt, dem ich jetzt auch mit meinem sozialwissenschaftlichen Studium nachgehe.

Auch wenn sich die Reise mit ihren vielen Erfahrungen kaum so kurz zusammenfassen lässt, will ich doch festhalten: Ich denke, es ist klar geworden, dass sich das ganze Projekt bis heute in meinen Alltag auswirkt. Viele Schlagworte, die in diesem Kontext von Bedeutung sind, wie Offenheit, Lernen fürs Leben, Entdecken von Kulturen und sich selbst, etc. muss ich nicht noch einmal wiederholen. Statt dessen kann ich nur sagen, dass die Idee von zis, die hinter diesen Reisen und ihren Anforderungen steckt, sich immer wieder selbst bestätigt. 


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Jugend Politik

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