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Roma in Rumänien - Ein unbekanntes Volk ohne Heimat?

Mascha Schulz - Rumänien2005


Mascha Schulz lernt sowohl Rumänisch als auch die Sprache der Roma, das Romanes, bevor sie sich 2005 auf zis-Reise macht. Zunächst mit Hilfe deutscher Ansprechpartner, später aber alleine besucht sie Roma-Projekte und Familien. Dabei gelingt ihr sogar ein Interview mit einer bekannten Roma-Persönlichkeit, der Schriftstellerin und Dichterin Luminita Cioaba.

Vor mir stand eine temperamentvolle Romni, eine Roma-Frau, und redete in einer enormen Lautstärke auf mich ein. Die letzten Minuten hatte ich damit zugebracht, in ihren kurzen Pausen auf Rumänisch zu wiederholen: „Ich bin Deutsche. Ich verstehe Sie nicht.“ Diese Worte schienen sie wenig zu beeindrucken. Mittlerweile hatte ich es fast aufgegeben, mich gegen die aggressiven Wortschwalle in Romanes, der Sprache der Roma, zu wehren. Ich war ja auch bescheuert, ohne Begleitung in dieses Zigeunerdorf zu fahren. Hatte ich sie nicht so oft gehört in den letzten Wochen, die Geschichten von den gewaltbereiten und wenig fremdenfreundlichen Zigeunern? Ich hatte den Vorurteilen nicht allzu viel Beachtung geschenkt und wollte meine eigenen Erfahrungen machen mit den Leuten, die man Zigeuner nennt. Das hatte ich nun davon.

Ohne groß darüber nachzudenken hatte ich mich am Morgen auf den Weg in dieses Dorf gemacht. Doch jetzt überkam mich ein ungutes Gefühl. Als ich gerade dachte, dass ich mich dringend nach einem Maxitaxi, einem rumänischen Kleinbus, umsehen sollte, um möglichst schnell zu verschwinden, drehte sich die Romni um und ging. Da stand ich nun. Ein bisschen verdattert auf einer Straße, zwischen halbfertigen Häusern mit kleinen Türmchen und prächtiger Marmorverkleidung, vor denen sich Berge von Alteisen und Bauschutt auftürmten. Romni in knallbunten Röcken bildeten einen scharfen Kontrast zu der staubigen Straße in der Mittagssonne. Doch viel Zeit zum Überlegen und Beobachten blieb mir nicht. Bald schon hielt die erste Pferdekutsche neben mir und wieder ergoss sich ein Redeschwall über mich. Doch dieses Mal konnte ich mich durchsetzten. Die Familie auf der Kutsche schien hinzunehmen, dass ich weder Romanes noch Rumänisch im ausreichenden Maß sprechen kann.

Langsam sprechend, Hände und Füße zur Hilfe nehmend hatten wir bald das Wichtigste ausgetauscht. Wie immer wurde ich gefragt, ob ich verheiratet sei und wie viele Kinder ich habe. Dabei war ich doch erst 17! Der Mann fragte mich interessiert ob ich den ganzen Weg von Deutschland nach Rumänien zu Fuß gekommen sei. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, ähnliche Gespräche zu führen. Niemand schien tatsächlich glauben zu können, dass ich nicht richtig Rumänisch verstehen kann, dafür wurde ich umso herzlicher aufgenommen. Überall wurde mir ein Platz angeboten und Unmengen an Essen und Trinken aufgetischt.

Dieser Tag, allein in einem Zigeunerdorf war wohl das eindruckvollste Erlebnis auf meiner Reise. Nicht nur wegen dem Wagnis an einem Ort zu sein, wo man sich nicht über eine gemeinsame Sprache mit den anderen verständigen kann. Nicht nur wegen der Wärme und Herzlichkeit, die mir entgegen gebracht wurde. Vor allem waren die Zigeuner in diesem Dorf so anderes als ich es erwartet hatte. Ich hatte in den vorangegangen 39 Tagen schon unzählige Roma getroffen: Reiche und Arme, Gebildete und Analphabeten, Roma und Zigeuner, Bettler und Schriftsteller, ja sogar einen selbsternannten Romakönig. Menschen, die politisch korrekt von anderen als Roma bezeichnet werden, sich selbst aber Zigeuner nennen und Menschen, die wohl von keiner Romafamilie abstammen und nur aufgrund ihrer Armut oder krimineller Vergangenheit als Zigeuner degradiert werden.

Doch bevor ich in dieses Dorf kam hatte ich niemanden getroffen, der mit so einem Stolz „Zigan“ war und mit solch einer Selbstverständlichkeit anders lebte. Ich habe auf meiner Reise viel von dem Anderssein der Roma gelernt. In mein Tagebuch schrieb ich „In Rumänien bin ich sehr skeptisch geworden, ob „unser“ Weg wirklich der bessere ist. Menschen, die Analphabeten sind, können doch so viel weiser sein. Menschen, die kaum etwas zu essen haben, so viel glücklicher.“ Auf meiner zis-Reise habe ich nicht gelernt wie die Welt funktioniert oder wie die Menschen zusammenleben. Aber durch meine zis-Reise ist mein Wille gewachsen, das herauszufinden.


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Minderheiten

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