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Klatschen, Singen, Tanzen: Flamenco - Kunst und Lebensweise der Gitanos

Felicia Theus - Spanien2007


Die Sonne scheint. Ich laufe durch die Straßen von Jerez, die mir nun schon so vertraut sind. Auf meinem Morgenspaziergang will ich Abschied nehmen von der Stadt, die mir viel über den Flamenco und die Gitanos erzählt hat. Manuel, der Straßenmusiker, sitzt vor einem Café, genießt den sonnigen Morgen und lädt mich, seine „deutsche Tochter“, auf ein Getränk ein.

Er ist ganz traurig, dass ich schon wieder weg will. Auf dem Heimweg laufe ich Ali, Gitano und Besitzer der Peña de Camerón, in die Arme. Auch er verabschiedet sich ganz herzlich von mir. Unwillkürlich muss ich an meine Ankunft vor vier Wochen denken. Ich steige aus dem Bus und versuche den Weg zu einem Platz zu finden, an dem ich eine mir unbekannte Frau treffen soll. Menschen versuchen mir auf spanisch den Weg zu erklären, mein Rucksack ist schwer und der Magen mulmig. Auf meinem Weg durch die Stadt suche ich nach etwas zu Essen. Von meiner Pizza bringe ich nicht mehr als zwei Stücke hinunter. Ich habe das unangenehme Gefühl, dass sich jeder Bissen schon vor dem Verzehr auf dem Rückweg befindet. Anspannung und Aufregung. Ich fühle mich krank und will am liebsten nur nach Hause. An jeder Telefonzelle halte ich an und versuche heraus zu finden, ob es eine Nummer gibt, auf die ich mich zurückrufen lassen kann. Dann greife ich in das Restgeldfach. Stillschweigend habe ich ein Abkommen mit mir geschlossen: sollte ich Geld finden, darf ich eine Person meiner Wahl anrufen. Da ich nichts finde bleibt das Telefonat aus.

„Aller Anfang ist schwer“ sagt ein im Volksmund bekanntes Sprichwort, und es hat seine Berechtigung. Beschleicht mich in den ersten Tagen dieser Reise doch immer wieder der Gedanke, abzubrechen und nach Hause zu fahren. Schließlich zwingt mich keiner hier zu sein und ich kann tun und lassen was ich will. Doch was will ich eigentlich? Diese Frage ist ein ständiger Begleiter auf meiner zis-Reise. Nicht nur auf mein Thema, sondern auch auf mein ganzes Leben bezogen. Ich beschäftige mich viel mit mir selbst und der Frage, wohin mein Weg wohl gehen soll. Viele Entscheidungen müssen in diesen Tagen getroffen werden - und sei es nur, ob ich nach rechts oder links gehen will. Ich bin streng mit mir. Habe oft das Gefühl, nicht aktiv genug an meinem Thema zu forschen. Versuche mich vor mir selbst zu rechtfertigen, bis ich merke, dass dies völlig sinnlos ist.

In Jerez de la Frontera lerne ich Sylvia kennen, eine Deutsche, die mit einem Gitano zusammenlebt. Wir verbringen viel Zeit miteinander. Während ich auf ihren kleinen Sohn aufpasse und ihr beim Umzug in ihr neues Haus helfe, erzählt sie mir Geschichten über das Leben der Gitanos, von ihren Gewohnheiten und Ängsten. Bei den Gitanos gehören alle dazu- von alten Menschen bis zu den Kindern wird in der Familie und der Gemeinschaft jeder respektiert und geachtet. Wenn ein Fest oder ein Party gefeiert wird, sind immer alle dabei. Einmal darf auch ich dabei sein. Ich genieße die Gesellschaft sehr. Es sind viele Gitanos und „Halb-Gitanos“ anwesend und alle tanzen und feiern gemeinsam. Die Söhne, die hier wohnen, stellen mir mehrmals ganz stolz ihre Mutter vor. Sylvia erklärt mir, dass bei den Gitanos die Mutter über alles geehrt wird. Später gehen wir alle zusammen in die große Disco von Jerez, die von innen mit ihren alten Backsteinmauern und den vielen Räumen und Gängen an ein altes Schloss erinnert. Ich habe das Glück, dass heute einer der Räume für eine private Gitano-Veranstaltung gemietet wurde, an der wir teilnehmen dürfen. Ich weiß nicht genau, was gefeiert wird, aber es sind fast nur Gitanos da. Die ganze Zeit wird gesungen, getanzt und geklatscht. Meine Augen müssen vor Freude und Begeisterung funkeln, denn Manuel, der eine Gitanosohn, bemerkt es und bringt seine Freude über meine Begeisterung zum Ausdruck. Er nimmt meine Hände und zeigt mir, wie ich die Palmas richtig klatsche. Ich bin überglücklich, freue mich, das alles erleben zu dürfen und von einem Gitano persönlich in das Klatschen der Palmas eingeführt zu werden. Egal ob ich nachts durch die Straßen nach Hause schländere oder morgens das Badfenster öffne- immer höre ich von irgendwo Flamenco. Ich sehe die Menschen klatschend, singend und tanzend durch die Straßen laufen. Aus den Fenstern der Häuser und aus den Lautsprechern getunter Autos klingt Flamenco. Er ist hier zu Hause, er gehört allen und lebt in den Straßen und auf den Plätzen.

Gitanos    /

Erst beim Schreiben meines Berichtes habe ich bemerkt, wie viel ich letztendlich gelernt und erlebt habe. Die Reise hat mir gezeigt, dass es ein großer Unterschied ist, ob ich als Tourist oder mit einem bestimmten Thema, einer bestimmten Frage in ein Land fahre. Die Menschen waren oft viel aufgeschlossener, sobald ich ihnen von meinem Projekt erzählte. Plötzlich hatte ich dann einen Wohnungsschlüssel und etwas zu Essen in der Hand. Auch wenn ich mich oft schwer getan habe, möchte ich diese Erfahrungen nicht missen und ziehe diese Art des Reisens - heute wie damals - dem herkömmlichen Standardtourismus vor. Mit neuen Themen und Fragestellungen geht es auf zu neuen Ufern.


Schlagworte

Künste Musik

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