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Die Sami - Ein Volk zwischen Ursprung und Moderne

Anna-Luise Steinke - SchwedenNorwegenFinnland2007


Immer mehr kleine Völker der Erde werden heute durch das Vordringen der so genannten „Zivilisation“ in ihrer Lebensweise eingeschränkt - einige von ihnen verschwinden ganz. Das beste Beispiel dafür sind die Indianer Nordamerikas, doch auch wir in Europa haben ein indigenes Volk, welches seit mehr als 8000 Jahren den Norden unseres Kontinents bevölkert - die Sami.

Wir kennen sie vielleicht aus Büchern - mit Rentierschlitten, bunten Kleidern und Fellschuhen; sehen sie vor unserem inneren Auge durch die Wildnis wandern, friedlich und im Einklang mit der Natur. Ob diese Vorstellung auch heute noch mit der Realität vereinbar ist, das wollte ich im Rahmen meiner zis-Reise herausfinden und so machte ich mich im Sommer 2007 für 5 Wochen auf den Weg nach Schweden, Norwegen und Finnland, um dem Mythos der „Indianer Europas“ auf die Spur zu kommen.

Mein Weg führte mich zuerst nach Schweden, um Edith-Anna und Lasse Svonni zu treffen, ein Ehepaar mit 4 Kindern, welche in ihrer Familie eine jahrhundertealte Rentiertradition pflegen und selbst eine Herde von ca. 4000 Tieren besitzen. Den Großteil des Jahres sind Sie damit beschäftigt, die Rentiere in den Bergen zu begleiten, zu füttern, zu schlachten usw., was heutzutage allerdings nicht mehr mit Hunden oder auf Skiern vor sich geht, sondern mithilfe modernster Technik. Die Aufenthaltsorte der Rentiere können über das Internet bestimmt werden, die Arbeit in den Bergen findet auf Quadts oder im Helikopter statt. Trotzdem ist das tiefe, respektvolle Verhältnis der Sami zur Natur inzwischen keineswegs verloren gegangen- es muss nur irgendwie mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit des modernen Lebens vereinbart werden.

Mit Edith-Anna und Lasse verbrachte ich eine herrliche Zeit in den Bergen Lapplands, lernte das samische Leben in der Natur kennen und konnte sogar bei einer Kälbermarkierung im Schein der Mitternachtssonne dabei sein. Ihre freundliche aber sehr ruhige Art überforderte mich am Anfang ein wenig, da ich nicht genau wusste, ob ich nun eigentlich willkommen war oder nicht. Doch mit der Zeit lernte ich, dass viele Menschen in Nordeuropa einen recht gelassenen Umgangstil miteinander pflegen und trotzdem sehr froh darüber sind, dass man gekommen ist und sich für ihre Kultur interessiert. Auf das Interesse meinerseits brauchten Sie nicht lange zu warten, denn jedes Detail, welches ich über die moderne samische Gesellschaft erfahren konnte, war ein Schritt auf meinem Weg- so etwa das Mitspracherecht der Sami in der skandinavischen Politik, ihre traditionelle Kunst, samische Radio- und Fernsehprogramme oder die verschiedenen Dialekte in ihrer Sprache.

Kälbermarkierung 

Viele Zufälle und spontane Begegnungen brachten mich weiter auf meiner Reise, machten sie bunt und lebendig. So lernte ich z.B. auf der Suche nach dem samischen Radio in Kiruna zwei Mädchen kennen, mit denen ich am nächsten Tag nach Norwegen zu einem samischen Musikfestival fuhr. Es war beeindruckend, dort Sami aus allen Ländern Skandinaviens, sogar Russland zu begegnen, ihre verschiedenen Trachten zu sehen, Sie im Umgang miteinander zu beobachten und ihre Musik zu hören, die von traditionellen Gesängen bis hin zu samischem HipHop reicht.

Dort wiederum traf ich zufällig auf einen Jungen, der mich ins nördlichste Dorf Finnlands mitnehmen konnte, in dem ich schon vor meiner Reise Kontakt zu einer halb-samischen Familie aufgenommen hatte. Bei ihnen durfte ich eine Woche im Campingwagen wohnen und einen Einblick in das Leben der finnischen Sami bekommen, das sich gravierend von dem der schwedischen unterscheidet, da sie viel weniger politisches und wirtschaftliches Mitspracherecht haben. Es war eine prägende Erfahrung, mitten im Nichts gelandet zu sein und trotzdem den Eindruck zu haben: Es gibt Menschen, die haben auf dich gewartet, die nehmen dich auf und geben dir das Gefühl, schon immer zu ihnen gehört zu haben.

Diese Wahrnehmung prägte letztendlich meine ganze Reise. Worte wie Offenheit und Hilfsbereitschaft, die man manchmal verwendet, ohne sich ihrer eigentlichen Bedeutung bewusst zu werden, bekamen eine ganz neue Dimension, wurden geradezu überlebenswichtig - und vor allem wichtig, um mit einem unheimlich beglückten Gefühl wieder nach Hause zu fahren. Die Geschichten, die mir auf meiner Reise erzählt wurden ließen mich nicht so schnell wieder los, denn jede einzelne hatte meinen Blick auf die samische Kultur auf ihre Weise beeinflusst. Vieles verwirrte mich noch im Nachhinein, doch der Spagat der Sami zwischen einem Leben in tiefster Natur und einem Leben als Bankkaufmann in Jokkmokk war mir verständlich und greifbar geworden.

Um diesen Eindruck noch zu vertiefen fuhr ich im Sommer 2008 noch einmal nach Schweden und besuchte einige Leute, die ich auf meiner zis-Reise kennen gelernt hatte.

Vielen Dank für diese wunderbare Möglichkeit!


Schlagworte

Minderheiten Tiere Umwelt

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