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Die Realität hinter Zahlen

Rosa Gwen Lorenz - Griechenland2016


Wie sich junge Griechen die EU der Zukunft vorstellen.

Rosa Gwen Lorenz möchte auf ihrer zis-Reise nach Griechenland herausfinden, wie groß das politische Interesse bei den griechischen Jugendlichen ist und wie ihre Träume und Ziele aussehen. Die Antworten, die sie erhält, fallen sehr ernüchternd aus.

Im September und Oktober liegen die Temperaturen um die 25°C, das Meer ist noch warm. In den Straßen Thessalonikis sitzen junge und alte Menschen in den unzähligen kleinen Cafés - sie trinken Kaffee, diskutieren fröhlich und spielen Backgammon. Ein bisschen zerfallen und schmutzig wirken die Gassen abseits der touristischen Promenaden und auf dem Land gibt es auffällig viele Bauruinen, aber sonst scheint alles in Ordnung zu sein, in Griechenland.

Diesen Eindruck mag man gewinnen, wenn man als Tourist Griechenland besucht. Doch zis Reisende sind keine Touristen. Und so bekam ich dank des Stipendiums und vieler Menschen, die auf meine Fragen antworteten, einen Eindruck davon, wie das Leben der jungen Leute hinter der sonnigen Kulisse aussieht.

Vor meiner Reise hatte ich nur eine vage Vorstellung von der Lage in Griechenland, ich freute mich vor allem auf viele spannende Diskussionen darüber, wie wir Europäer die EU in Zukunft gestalten wollen. Doch ganz so einfach wurde es nicht.

Die Aussichtslosigkeit der Situation der Griechen in meinem Alter hat mich wirklich schockiert. 50% Jugendarbeitslosigkeit - das ist erst mal nur eine Zahl. Aber einen 26 Jährigen promovierten Juristen zu treffen, der für 3€ die Stunde kellnert oder eine 22 Jährige, die begeistert von ihrem Archäologie Studium erzählt, aber im Nebensatz erwähnt, dass sie - da das Geld fehlt - das Studium vermutlich abbrechen muss, hat mir die Grausamkeit dieser Zahl bewusst gemacht.

Meine Reise hat mich gelehrt, scheinbar Alltägliches ganz neu wertzuschätzen: Mir hat es nie an irgendetwas gemangelt, meine Eltern hatten immer eine Arbeit, ich habe eine Ausbildungsstelle und kann von meinem Gehalt gut leben. Ich habe nie das Gefühl gehabt, mir etwas versagen zu müssen, was ich wirklich brauche. Im Vergleich zu den meisten Griechen in meinem Alter, kann ich mir unheimlich viel leisten. Das knappe Budget meiner zis-Reise hat mir gezeigt, mit wie wenig ich zurecht kommen kann und dass gute Planung enorm hilft, um Geld zu sparen. Ich bin so dankbar, dass ich finanziell abgesichert bin und auch deshalb meine Träume verwirklichen kann.

Ich kann mir kaum vorstellen, wie frustrierend es für meine Altersgenossen in Griechenland sein muss, zu wissen, dass sie mit 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit keinen Job finden werden, egal wie fleißig sie lernen. Sollten sie einen finden, dann höchstwahrscheinlich keinen, der ihrer Ausbildung angemessen ist und das Geld wird kaum fürs eigene Überleben reichen. Pläne schmieden? Unmöglich. Junge Griechen leben von einem Tag zum Nächsten. Eine Weltreise machen, eine Familie gründen, einen erfüllenden Job finden - all das, was für junge Deutsche, wie mich, realistische Pläne sind, bleibt für junge Griechen ein vager Traum.

Ich kann verstehen, warum die Menschen wütend werden! Resigniert geben immer mehr Griechen ihre Hoffnungen auf eine Zukunft in ihrer geliebten Heimat auf und bereiten sich auf eine Zukunft im Ausland vor. Die Möglichkeit, unkompliziert ins Ausland zu ziehen, ist momentan der einzige Vorteil an der EU-Mitgliedschaft, den die jungen Griechen für sich sehen. In den politischen Überbau haben sie oft jegliches Vertrauen verloren, für ihr Schicksal scheint sich keiner zu interessieren. Die EU ist kein vereintes Europa für sie! In einem vereinten Europa sollte Solidarität herrschen, in einem vereinten Europa sollten alle gleiche Chancen haben! Ihre eigene Erfahrung widerspricht dem. Viele werden wütend. Rechts- und Linksextremismus und eine ziellose, resignierte Mitte sind die Folge.

Besonders die Reflexion, über die anstrengenden und teilweise verstörenden sechs Wochen in Griechenland, hat mein Leben unheimlich bereichert. Ich habe viel Wertschätzung für das, was ich habe, empfunden und bin immer wieder zu der Erkenntnis gekommen, dass man alle Menschen, egal von welcher politischen Einstellung sie überzeugt sind, erst einmal ernst nehmen muss, um sie verstehen zu können. Auch habe ich gelernt, dass ich noch sehr viel zu lernen habe und dass man Antworten am ehesten findet, wenn man fragt.


Schlagworte

Jugend Politik

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