Hannah Kunde

Wolgadeutsche – Fühlen sich die Wolgadeutschen eher als Deutsche oder als Russen und wie werden sie von der russischen Gesellschaft (an)gesehen?

(Russland, 2009)

Gruppenbild

Einen Monat in einer anderen Welt? Nein, wundervolle vier Wochen bei Freunden.

zis-Reisen:
In einem fremden Land.
Unter neu gewonnenen Freunden.
Mit wenig Geld.
Auf sich allein gestellt.
Nicht zwingend eine Weltreise.
Viel mehr eine Reise.
Zu sich selbst.
Kann es sein.
War es bei mir.
Vielleicht.
Nein.
Ganz bestimmt.

Im Sommer 2009 reiste ich für ingesamt 30 Tage mit einem zis-Stipendium und jeder Menge Neugierde im Gepäck nach Russland, genauer nach Samara an die Wolga, zu den so genannten Wolgadeutschen. Nach langer Vorbereitungszeit in Deutschland, verschiedenen Hürden, die es vor dieser Reise zu überwinden galt, und knapp 4000 km zurückgelegter Wegstrecke, d.h. etwa 70 Stunden Bus- und Bahnfahrt durch Polen, Litauen, Lettland und Russland, wurde ich sehr, sehr herzlich von eigentlich wildfremden Menschen empfangen. Mit dieser Begegnung begann meine Zeit bei den Wolgadeutschen in Samara, die ich zuvor nur aus E-Mails und von Fotos kannte. Die Zeit an der Wolga verging leider und wie befürchtet viel zu schnell: Eh ich mich versah, war „Halbzeit“ und wenig später, nach einem kurzen Abstecher nach Uljanowsk, war die Zeit vorbei. Auf der anderen Seite hatte ich das Gefühl, viel länger dort gewesen zu sein, denn in den vier Wochen erlebte ich wahrscheinlich mehr als sonst in einem ganzen Jahr. Und ganz gleich ob es nun die Besuche bei den kleinen evangelischen Gemeinden auf dem Land in Verbindung mit Hausgottesdiensten oder das tägliche Teetrinken im Zentrum der deutschen Kultur waren, überall war es wie selbstverständlich, dass ich dabei war.

Gemeinsames EssenZu Beginn meiner Reise stellte sich mir immer wieder die Frage nach Interview-Partnern – denn woher nimmt man die Interviewpartner, wenn gefühlt ganz Samara im Urlaub oder auf der Datscha war? Doch diese Sorge stellte sich schon bald als unbegründet heraus: Alle wollten von mir interviewt werden, alle wollten von ihrer Familiengeschichte erzählen und waren ganz begeistert, dass ich nur wegen ihnen nach Samara gekommen war. So wurde ich z.B. an meinem vorletzten Tag noch von einem meiner ersten Interviewpartner zu sich nach Hause eingeladen, weil seine Mutter mich unbedingt kennen lernen wollte. Gesagt, getan: wie schon die Tage zuvor und in anderen Familien wurde ich auch hier köstlich verpflegt und hörte spannende Geschichten. Neben all den Interviews, durch die ich sehr viel über die Wolgadeutschen erfuhr, genoss ich natürlich auch den Sommer an der Wolga: Wie erfrischend so ein Wolgabad doch sein kann.

Drei Tage nach meiner Abreise aus Samara, d.h. drei Tage nach meinem vorerst letzten Wolgabad, war ich wieder in Deutschland, wieder zu Hause, und die Reise war vorbei. Und eins weiß ich ganz bestimmt, ich werde wiederkommen – nach Russland, nach Samara! Ohne diese Gewissheit, wäre mir der Abschied in Samara bestimmt noch schwerer gefallen!

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