Frauke Seippel

Kunsthandwerk in Andalusien

(Spanien, 2008)

WerkstückMein Interesse zu diesem Thema entstand schon zwei Jahre vor meiner Reise, als ich während meines Austauschjahres in Chile einen Töpfer in der Atacamawüste kennen lernte. Ich verbrachte einige Nachmittage in seiner Werkstatt und wurde in die grundlegenden Techniken des Töpferns eingeführt. Die Werkstatt war sehr einfach eingerichtet und war im Prinzip nicht größer als eine Garage. Das einzige Material, was der Töpfer für seine Werke brauchte, war Ton. Diesen besorgte er sich per Schubkarre als dem nahe gelegenen Flussbett. Der Besuch bei ihm beeindruckte mich sehr und die Idee zu Töpfern ging mir seit dem nicht mehr aus dem Kopf. Zurück in Deutschland brache mir eine Freundin einen Batzen Ton vorbei, sodass ich meine Fähigkeiten weiter trainieren konnte und vor allem steigerte dies weiter mein Interesse. Als ich ein Jahr später über zis las, war mir sofort klar, dass ich eine Reise machen möchte, bei der ich die Erinnerung zu Leben erwachen lassen möchte. Also wählte ich Andalusien als Reiseziel. Spanisch konnte ich ja nun schon und Andalusien war mir als eine heiße, relativ arme und traditionelle Region Spaniens bekannt. Anscheinend gute Vorraussetzungen für mein Vorhaben.

Nach einiger Vorbereitung sitze ich also im Bus nach Almería – eine ziemlich lange Reise. Als ich aussteige erfüllt sich prompt mein erstes Bild von Andalusien: es ist superheiß! Von einer Kunsthandwerkerin werde ich liebevoll zu Hause aufgenommen. Doch als ich ihre Werkstatt sehe, bin ich enttäuscht. Das ist ja eine absolut globalisierte Bastelstube! Perlenschmuck, Gipsfiguren, Leuchtturmmotive – das kann genauso gut auch aus Deutschland kommen. Was mache ich denn jetzt bloß? Ich wollte doch auf meiner zis-Reise erforschen, wie traditionell das Handwerk hier ist. Mit dem, was ich auf den ersten Blick sehe, kann ich wenig anfangen. Ich weiß erst einmal gar nicht, wie ich weiter fortfahren sollte und überlege, ob ich nicht besser woanders hinfahren sollte oder mein Thema vollständig ändern sollte.

WerkzeugZum Glück bleibe ich länger als zwei Tage und mein Blickfeld öffnet sich mehr und mehr. Ich begleite die Kunsthandwerkerin jeden Tag in ihre Werkstatt. Dabei zeigt sie mir wie sie ihre Stücke fertigt und ich darf reichlich mithelfen. Vor allem erfahre ich auch, dass sie ihr Angebot mit der Nachfrage abstimmen muss. Deshalb schmückt das maritime Muster den Spiegel und der Perlenschmuck ähnelt dem der deutschen Touristenregionen. Entscheidend sind aber die anderen Details, etwa das Löwenmuster. Erst bei genauerem hinsehen erkenne ich, dass es sich um den bekannten Löwenbrunnen in der Alhambra in Granada handelt. Nach und nach entdecke ich die Besonderheiten des Andalusischen Kunsthandwerks.

Ganz nebenbei entwickelt sich zwischen der Kunsthandwerkerfamilie und mir eine schöne Freundschaft. Ich fühle mich integriert; man nimmt mich wie selbstverständlich mit bei Ausflügen zum Strand und auf das Land, mir  werden Museen und Städte gezeigt, ich darf zu Kunsthandwerkermärkten mitkommen. Dabei lerne ich wieder neue Kunsthandwerker und neues Kunsthandwerk kennen. Das Projekt weitet sich aus. Die größten traditionellen Aspekte entdecke ich in der historischen Keramik. Nachbildungen von Gebrauchsgegenständen von 3000 v. Chr., die sich heute gut verkaufen lassen.

Meine Reise führt mich weiter ins Landesinnere. Dort wohne ich bei einer wahren Künstlerin. Sie stellt neben anderem über ein Meter hohe Vasen und Stehlampen her. Ihre Werke bewundere ich bis heute. Ich helfe ihr beim Auf- und Abbau ihres Standes auf einem Kunsthandwerkermarkt, beim Töpferkurse-Geben in ihrer Werkstatt springe ich kurzfristig für sie ein, und auch beim Entstauben der Werke in ihrem Verkaufsraum helfe ich. Die Zeit bei ihr genieße ich in vollen Zügen, denn ihre Werkstatt steht mir frei zu Verfügung. Ich überlege eine ähnliche Lampe herzustellen, dabei könnte mir die Künstlerin gut helfen. Doch ich beschließe, sie nicht kopieren zu wollen und fertige eine Teekanne – das Kernstück meiner Reise. Sie kostet mich einige Tage Arbeit und ich lerne eine Menge über Töpferei von meiner Gastgeberin. Die Teekanne bemale ich mit einem maurischen Muster aus einem Buch, welches ich später in Granada kennenlerne. Dort verbringe ich die letzten Tage meiner Reise und besuche noch einen berühmten Künstler in seiner Werkstatt, ein letzter Höhepunkt.

Zurück in Deutschland, lässt mich die Töpferei nicht los. Vasen, Skulpturen und eine weitere Teekanne sind entstanden. Die Küche schmückt inzwischen eine Töpferscheibe. Auch wenn ich mich nach langem Überlegen gegen ein Keramikstudium entschieden habe, wird mich das Thema ein Leben lang fesseln.

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